Im Frühjahr des Jahres 1901 kamen zahlreiche Männer der Ortschaften Kothmaißling und Raindorf im Gasthaus Georg Wagner mit dem Ziel zusammen, einen Schützenverein zu gründen. Leider sind keinerlei Angaben bekannt, wann und wie viele Mitglieder anwesend waren. Jedoch kam es zur Gründung des Vereins am 1. Februar und bereits eine Woche später wurde der Schießbetrieb aufgenommen.

 

Die Gesellschaft im Jahre 1901

Die Mitglieder waren Bauern, Arbeiter der Firma Blauberg AG und Beamte von Reichspost und Reichsbahn. Von den damaligen Mitgliedern sind nur noch wenige bekannt: Wolfgang Ring, Johann Griesbeck, Alois Althammer, Hans Gruber, Franz Lernbecher, Karl König, Alois Ehrl, Wolfgang Mückl und vor allem Schlossermeister Georg Zwack, der Waffenmeister wurde. Jedoch durfte nicht jeder Mitglied des Vereins werden. Man musste ortsansässig sein, einen Beruf haben und einen guten Ruf vorweisen können. Ob diese Kriterien erfüllt waren, entschied ein Ausschuß. Wer dann die Aufnahmegebühr von 50,- DM bezahlte und den Monatsbeitrag von 20 Pfennigen entrichtete, konnte in der Gaststube des Gasthauses Wagner mit den Zimmerstutzen auf die Scheiben zielen. Am 11. November 1909 wurde Karl König, Stationsvorsteher vom Bahnhof Kothmaißling, 1. Schützenmeister und stiftete eine Ehrenscheibe, die Alois Althammer in Empfang nehmen durfte.

Es entwickelte sich ein reges Schützenleben. Alle 14 Tage fanden Schießabende statt. Wer ohne triftigen Grund von diesen fern blieb, musste eine Strafe bezahlen. Neben den allgemeinen Schießen gab es Preisschießen, Vorteilschießen, Namenstagsschießen, Geburtstagsschießen u.v.a.. Die Preisschießen liefen jedoch anders ab, als es heutzutage bekannt ist. Die Schießstände wurden im Freien aufgebaut und der Schuß auf die Scheibe erfolgte mit Zimmerstutzen. Um die Treffer auf der Zielscheibe zu erkennen, war vor den Zielscheiben ein Graben angelegt, in dem freiwillige Helfer saßen, die dann mit einem Schild, das sie in die Höhe hielten, den Personen an den Ständen anzeigten, welchen Treffer der Schütze gelandet hatte. Die Vereinsgeschichte endet im April 1914 wegen des 1. Weltkrieges.

Erst ab 8. März 1919 begann wieder der allgemeine Schießbetrieb. Auf Grund einiger Differenzen teilte sich dann die Gesellschaft in eine Gemütliche und eine Friedliche Schützengesellschaft. Schützenmeister der Friedlichen Schützengesellschaft wurde Max Fischer. Die Gemütliche Schützengesellschaft zog mit ihrem 1. Schützenmeister Ludwig Hastreiter nach Raindorf. Teils blieben sie aber auch in Kothmaißling im Gasthaus Wagner. Die Trennung dauerte nicht lange. Denn bereits im März 1923 schlossen sich die beiden Vereine wieder als Gemütliche Schützengesellschaft zusammen. Der Name der Friedlichen Schützengesellschaft wird nicht mehr erwähnt. Als 1. Schützenmeister der Gemütlichen wurde wieder Ludwig Hastreiter gewählt. Die Gesellschaft hatte ein reges Vereinsleben. Sie beteiligte sich an Fahnenweihen, Standartenweihen, an Schießen und vielem mehr.
Bereits am 27. Juni 1926 feierte die Gesellschaft ihr 25-jähriges Gründungsfest, verbunden mit einer Fahnenweihe. Fahnenmutter war damals Frau Maria Hastreiter, geborene Himmelstoß, Mühlenbesitzersgattin von Kothmaißling. Patenverein war der Schützenverein Bergschütz aus Windischbergerdorf, Festkapelle war die Kapelle Bosl aus Cham. „...Bei strahlendem Wetter feierten die Patres aus Cham den Feld-gottesdienst...“, so ist einem Zeitungsbericht aus jener Zeit
zu entnehmen.

        

Zeitungsartikel zur Fahnenweihe 1926

Bis zum Ausbruch des 2. Weltkrieges herrschte wieder ein reges Vereinsleben. Es fanden Waldfeste am Gferret statt. Man besuchte Fahnenweihen und es wurden regelmäßige Übungsschießen veranstaltet. 1928 wurde die Vorstandschaft nochmals bestätigt.

Die Gesellschaft im Jahre 1928

Seit 1933 war Franz Lernbecher 1. Schützenmeister. Ab 1934 wurde dieser Titel abgeschafft und er wurde Vereinsführer. Zweiter Vereinsführer war Franz Raab. Der letzte Eintrag im Schießbuch stammt vom 28.12.1940. Die Vereinstätigkeit war ab 1940 wegen des 2. Weltkrieges unterbrochen und es erfolgte die Gleichstellung im Reichsbund für Leibesübungen. Die Schießabende galten als Leibesübungen und waren Pflicht. Auch die Vorstandschaft wurde nicht mehr gewählt, sondern bestimmt. Die Gesellschaft löste sich 1945 auf.

Während der letzten Kriegstage sollte die Fahne der Gesellschaft in die Hände der Gegner fallen. Es ist dem Vereinsführer der Kothmaißlinger Schützen zu verdanken, der sie mit Hilfe der Wirtsgattin verstecken konnte, dass nach der Wiedergründung die Fahne noch vorhanden war.

Bereits Anfang 1950 erfolgten Versuche, den Verein wieder ins Leben zu rufen. Jedoch war dies von der amerikanischen Militärregierung verboten. Daher entstand ein Verein mit dem Namen „Die Kottenbürger“.
Am 25. August 1950 sollte der Verein „Die Kottenbürger“ gegründet werden. Aber am selben Tag traf die telefonische Erlaubnis zur Wiedergründung der Schützenvereine von der amerikanischen Militärbehörde ein. Darauf trafen sich wieder zahlreiche Männer im Gasthaus Georg Wagner in Kothmaißling, um die Gemütliche Schützengesellschaft neu zu beleben. Neben noch sechs lebenden Altmitgliedern traten noch 16 neue Mitglieder der Gesellschaft bei. Neuer 1. Schützenmeister wurde Josef Asam, Wagnermeister von Kothmaißling, und 2. Schützenmeister Rupert Heigl.

Schützenverein Hubertus Kothmaißling beim Festzug des 50jährigen Grundungsfestes 1951

Bereits am 8. Juli 1951 wurde das 50-jährige Gründungsfest, es war das erste Fest in der Umgebung, gefeiert. Zahlreiche Vereine beteiligten sich daran. Festmutter war damals Maria Hastreiter.

Josef Asam leitete den Verein bis 1956. Willi Roider, Farbenkaufmann, übernahm am 3.11.1956 das Amt des 1. Schützenmeisters. Die Gesellschaft ist auch Mitbegründer des Schützengaues Grenzfähnlein Furth im Wald. Bereits am 25.2.1957 verstarb Ehrenschützenmeister Josef Asam.

Am 17. September 1960 feierten die Mitglieder des Vereins die 10-jährige Wiedergründung im Gasthaus Wagner.

Ein Höhepunkt im Vereinsleben war die Fahnenweihe der Gesellschaft, die vom 23.8.1968 bis zum 27.8.1968 dauerte. Sie wurde mit dem Chambtalfest verbunden. Schirmherr war Prinz Konstantin von Bayern (MdB), Fahnenmutter war Anny Stocker und der Patenverein war der Schützenverein Janahof. 83 Vereine gaben Kothmaißling die Ehre ihres Besuches.

Die Gesellschaft hatte sich schon lange auf die Fahnenweihe vorbereitet, da der Zustand der alten Fahne von 1926 sehr marod war. An allen Festtagen waren viele Ehrengäste anwesend, so zum Beispiel Prinzessin Hella von Bayern und Bundesschützenmeister Willi Grimm. Neben dem normalen Programm, das vom regnerischen Wetter am Samstag und Sonntag geprägt war, wurden nach einem Fackelzug Totenbretter beim Anwesen Erwin Raab eingeweiht. Der Festleiter Peter Hofbauer konnte nicht nur Einheimische begrüßen, denn es waren auch weitgereiste Gäste aus Hamburg, Frankfurt und auch aus Österreich zu Gast.

Pfarrer Benedikt Rucker bei der Weihe der Fahne 1968

Am Sonntag konnte der Gottesdienst und die Fahnenweihe von Pfarrer Benedikt Rucker bei strahlendem Sonnenschein zelebriert werden. Er betonte dabei, dass die Kapelle auf der neuen Fahne die enge Verbundenheit von Verein und Kirche zum Ausdruck bringt.

Die Schützengesellschaft Kothmaißling konnte sich bei diesem großen Jubelfest an allen Festtagen nicht über Besuchermangel beklagen, und so ist es bei allen Beteiligten in positiver Erinnerung geblieben.

1975 und 1976 war die Gesellschaft zweimal als Patenverein aktiv, in Kammerdorf und in Mais.

Weiterer Höhepunkt war das 25-jährige Wiedergründungsschießen vom 17. bis 26. Oktober 1975 und das 75-jährige Gründungsfest der Gesellschaft, das in der Zeit vom 9.7.1976 bis zum 12.7.1976 abgehalten wurde. Schirmherrin war Prinzessin Hella von Bayern und Patenverein wiederum der Schützenverein "Haidbachschützen" aus Cham/Janahof. 60 Vereine beteiligten sich an diesem Fest.

Die Gesellschaft erhielt eine neue Satzung und wurde am 27.11.1982 ein eingetragener Verein. Am 18.1.1981 übernahm Alois Kiefl das Amt des 1. Schützenmeisters. Der langjährige Schützen- und Ehrenschützenmeister Willi Roider verstarb am 10.12.1985. Im Mai 1986 häuften sich mehrere Jubiläen. Neben der 900-jährigen Erwähnung der Ortschaft feierte der Schützenverein sein 85-jähriges Bestehen. Diese Ereignisse wurden mit einem Fest und einer Ausstellung zu den Themen gefeiert.

Zwischen dem 18.10.1991 und dem 27.10.1991 fand das 90-jährige Gründungsfest statt, das mit ungefähr 620 Teilnehmern das meist-besuchteste Preisschießen der Gesellschaft war. Bei der Jahres-hauptversammlung mit Neuwahlen am 20.11.1994 trat Alois Kiefl vom Amt des 1. Schützenmeisters zurück, seinen Posten hat seither Karl Ketterl inne. Am 26.11.1995 ernannten die Kothmaißlinger Schützen Alois Kiefl, der sein Amt als Schützenmeister über 14 Jahre verrichtete, zum Ehrenschützenmeister. Vom 18.10.1996 bis zum 27.10.1996 fand das Herbstpreisschießen zu Ehren des langjährigen Schriftführers Willi Mulzer, der am 15.01.1996 verstarb, statt.

Anlässlich des 100 jährigen Gründungsfestes wurde 2000 die Fahne restauriert. Des Weiteren wurde ein altes Wegkreuz, das am Rand der Ortsdurchfahrt 1914 vom „Söllner Hans“ errichtet wurde, auf Veranlassung von Horst Roider restauriert. Das Kreuz wurde ursprünglich von Georg Achtelstetter gemalt. Da die Spuren der Zeit am Gemälde auf Blech nicht vorübergingen, brachte Karl Schneider aus Windischbergerdorf dieses Kunstwerk wieder in einen einwandfreien Zustand und Erwin Simeth sorgte dafür, dass das Kreuz in seinem heutigen Zustand beim Feldaltar in Kothmaißling aufgestellt werden konnte. Außerdem wurde bei der Anlage auf dem Kapellengelände ein neues Totenbrett aufgestellt.

Dieses sind nur einige Vorbereitungen für das 100-jährige Gründungsfest, das den vorläufigen Höhepunkt in der Vereinsgeschichte der Gemütlichen Schützengesellschaft Kothmaißling darstellte.

Schließlich konnte das Fest bei strahlendem Sonnenschein gefeiert werden. Über 50 Vereine besuchten die Feierlichkeiten, und es wird den Bewohnern von Kothmaißling noch lange in Erinnerung bleiben.

Das neu errichtete Holzkreuz beim Altar