Kothmaißling

 


 

In einer Urkunde, ausgestellt von Kaiser Heinrich IV im Jahre 1086, heißt es: „Wir wollen, dass allen Gläubigen und allen unseren Getreuen (...) bekannt ist, dass wir unserem geliebten und treuen Vogt Friedrich von Regensburg wegen seines ergebenen Dienstes die in der Mark Cham gelegenen Dörfer mit dem Namen Grawat, Vurte, Mazelin, Tichenesberg, Trasanesdorf, Buchberg und Sichowa (...) zu eigen gegeben haben.“ Für viele Heimatforscher war das in diesem lokalgeschichtlich sehr bedeutsamen Schriftstück erwähnte Mazelin identisch mit dem heutigen Ort Kothmaißling.

Diese Mutmaßung nahmen die Bürger 1986 zum Anlass, die erstmalige urkundliche Erwähnung ihres Dorfes vor 900 Jahren festlich zu begehen.

Das alte „Schuster Haus“

Auch wenn Kothmaißling mit zu den ältesten Siedlungen in unserem Raum gehört, so vertreten neuere Untersuchungen doch die Vermutung, dass Mazelin nicht mit Kothmaißling gleichgesetzt werden darf. Die früheste nachweisliche Nennung datiert demzufolge aus dem Jahre 1118, also gut dreißig Jahre später, wo von Kozmuzlingen die Rede ist. In der Folgezeit taucht der Ortsname in weiteren Urkunden auf, wobei die Schreibweise sich immer wieder ändert: Cotzmäsling (1404), Kotzmaissing (1442), Kotzmässling (1450) oder auch Cotzmawsling.

Während bei vielen Dörfern und Städten die Herkunft bzw. die Bedeutung der Ortsbezeichnung leicht und eindeutig erklärbar ist, gehen die Meinungen darüber bei dem Namen Kothmaißling weit auseinander. Eine dabei am häufigsten genannten Theorien geht davon aus, dass sich die Benennung auf die Zusammensetzung des Wortes Kote (=Hütte) mit dem Personennamen Maizo zurückführen lässt, Kothmaißling also die Hütte, das Anwesen des Maizo sei. Bereits 1939 wurde dagegen in der Lokalpresse die Vermutung geäußert, der erste Wortteil des Ortsnamen entspringe dem Slawischen und deute auf  Choden, böhmische Freibauern, hin, die im bayrisch-böhmischen Grenzgebiet zum Schutz vor Übergriffen und zur Sicherung der Reisewege angesiedelt worden waren. Einer dieser Choden sei dann aus Böhmen zugewandert, habe das Gehöft des Maizo übernommen und die Ansiedlung habe deshalb den Zusatz „Chode“ erhalten. Diese Annahme ist allerdings recht umstritten und wird von den meisten Historikern heute abgelehnt. Nicht zuletzt deswegen, weil hierbei davon ausgegangen wird, die bereits erwähnte Ortschaft Mazelin sei mit Kothmaißling identisch.

Das Haus vom „Söllner Hans“

Eine Beziehung Kothmaißlings zu den Choden will allerdings auch Professor Ernst Schwarz nicht leugnen. Ganz im Gegenteil. Er ist der Ansicht, dass es sich bei dem Dorf in der Cham-Further-Senke um eine slawische Gründung handelt. Choden seien unter der Führung eines gewissen Chotemysl nach Bayern eingewandert und hätten sich hier niedergelassen. Wobei der Ort seinen Namen dem Anführer verdanke. Professor Schwarz verweist darauf, dass dies kein Einzelfall im bayerisch-böhmischen Grenzland gewesen sei.

Die Kothmaißlinger Kapelle im Winter

Wenn die Anfänge Kothmaißlings auch im Dunkeln liegen und nur Mutmaßungen darüber angestellt werden können, bleibt doch festzuhalten, dass der Ort aufgrund seiner günstigen Lage an der früher sehr wichtigen Handelsroute von Nürnberg und Regensburg über Cham, Altenstadt, Kammerdorf, Selling, Kothmaißling und Furth im Wald nach Prag schon sehr bald einen blühenden Aufschwung genommen haben muss. Nicht zuletzt dafür spricht, dass bereits sehr früh ein Wirt, eine Mühle, die dem Domkapitel in Regensburg gehörte, eine Schmiede und ein Fischer erwähnt werden. Jäh unterbrochen wurde diese positive Entwicklung allerdings durch die Wirren des 30jährigen Krieges (1618-1648), in dessen Verlauf große Teile Deutschlands verwüstet wurden. Auch Kothmaißling blieb von der Auseinandersetzung zwischen der katholischen Liga und der protestantischen Union, in deren Verlauf nahezu alle europäischen Großmächte eingriffen, nicht verschont. 1633 besetzten die Schweden das nahegelegene Cham und führten von dort aus Plünderungsstreifzüge ins Umland durch. Dabei nahmen die Söldnertruppen keine Rücksicht auf die schon geschundene und leidgeprüfte Bevölkerung. Es wurde geraubt, geplündert und gemordet. Kothmaißling erging es dabei wie vielen anderen Ansiedlungen der Umgebung. Noch gravierender allerdings sollte das Jahr 1641 werden, als die schwedische Soldateska erneut ins Chamer Land einfiel und dabei noch grausamer und brutaler vorging als die Jahre zuvor. Der Pfarrer von Cham berichtete darüber im Salbuch (Abgabenbuch) des Erzdekanates: „Im Februar 1641 ist Kozmeßling, dieses schöne Dorf durch den Feind vom Grund hinweg zerstöret und abgebrannt worden.“

Bis in die 30er Jahre des letzten Jahrhunderts erinnerte ein Steinkreuz an der Straße nach Raindorf an die grausamen Geschehnisse von damals. Vermutlich bezeichnete dieses „Schwedenkreuz“ die Stelle, an der die Toten der Überfalle in einem Massengrab beigesetzt wurden. 1937 wurde das Granitkreuz allerdings beim Straßenbau zerstört und als Schotter verwendet.

Der Umbau der Ortsdurchfahrt

Es dauerte geraume Zeit, bis Kothmaißling sich von diesem schweren Schicksalsschlag wieder erholt hatte und der Neuaufbau beginnen konnte. Es gibt keine Aufzeichnungen darüber, wie lange die Felder brach lagen und wann sich wieder Menschen ansiedelten. Fest steht aber, dass im Jahre 1657 im Dorf wieder eine Mühle betrieben wurde. Und das Hofanlagebuch aus dem Jahre 1760 gibt darüber Auskunft, dass Kothmaißling aus 15 Anwesen besteht. Als Besitzer erscheinen namentlich die Familiennamen Türk, Jänitscharn, Falk, Kiefl, Spielberger, Waller, Wenger, Schwarz, Pfeiffer, Böhmmadam, Magerl sowie die Hofmark Arnschwang.

Das Gasthaus Georg Wagner, seit altersher das Stammlokal der „Gemütlichen Schützen“

Eine weitere Zäsur in der dörflichen Entwicklung Kothmaißlings bildete das Jahr 1861. Als nämlich am 20. September die Bahnstrecke Cham-Furth im Wald durch die Bayerische Ostbahngesellschaft eröffnet wurde, war der Ort als Bahnstation dem Eisenbahnverkehr angeschlossen. Damit taten sich für die kleine Ortschaft neue wirtschaftliche Perspektiven gegenüber den Dörfern der näheren Umgebung auf, die es zu nutzen galt. Als Umschlagplatz für den im benachbarten Raindorf abgebauten Granit vom Blauberg ebenso wie für das Vieh der Bauern oder geschlagenes Langholz war der Kothmaißlinger Bahnhof von erheblicher Bedeutung. Ja, um den Abtransport der Steine vom Blauberg noch rentabler und einfacher zu gestalten, wurde der Steinbruch auf Betreiben des Chamer Pflasterermeisters Max Ernst 1878 sogar durch eine private Industriebahn mit dem Bahnhof verbunden. Diese „Bockerlbahn“ war bis 1971 in Betrieb  wurde dann allerdings stillgelegt und schließlich zum Großteil demontiert. Noch heute kann man Reste der ehemaligen Brücke über die Chamb sehen.

Überschwemmungsfoto von Kothmaißling

Auch wenn Kothmaißling die Folgen des 1. und 2. Weltkrieges verhältnismäßig gut überstanden hat, so kehrten auch hier, wie in vielen anderen Orten, einige Väter und Söhne nicht mehr von den Schlachtfeldern in die Heimat zurück.

Der „Hunger Sepp“ und der „Simandl Luis“ beimKirtabaumaufstellen  (1956)

Einen weiteren Höhepunkt in der Geschichte der Ortschaft bildete der Bau der „Hl. Geist“-Kapelle auf dem sogenannten „Ochsenacker“ in der Dorfmitte.

Nachdem sich Windischbergerdorf als Standort für die Errichtung eines eigenen Gotteshauses für die damalige Expositur gegenüber Kothmaißling durchgesetzt hatte, weil dort bereits Schule und Friedhof existierten, gingen engagierte Bürger der Ortschaft daran, zumindest eine neue Kapelle als geistlichen Mittelpunkt für die Dorfgemeinschaft zu errichten. Dem eigens im Jahre 1966 zu diesem Zweck gegründeten Kapellenbauverein gelang es, die Bevölkerung von dieser Idee zu überzeugen und zur Mitarbeit in Form von Geld- und Materialspenden sowie freiwilligen Arbeitseinsätzen zu motivieren.


Schließlich konnte die neue Kapelle im Frühjahr 1977 vollendet und am 12. Juni des gleichen Jahres von Weihbischof Karl Flügel im Rahmen eines feierlichen Gottesdienstes eingeweiht werden.

Der Bau der neuen Chambbrücke in Kothmaißling

Aus der damaligen Siedlung ist Dank des Fleißes und der Heimattreue seiner Einwohner ein ansehnlicher, schöner Ort geworden. Kothmaißling gehört zur Pfarrgemeinde Windischbergerdorf. Durch die Gebietsreform in den 70er Jahren wurde es mit der Gemeinde Windischbergerdorf der Stadt Cham angegliedert.

 


Kothmaißling