Am Mittwoch, 10. August 1966, trafen sich 11 Bürger der Ortschaft Kothmaißling zur Gründungsversammlung eines Kapellenvereins. Es waren dies Georg Donhauser, Klaus Hofbauer, Peter Hofbauer, Alois Nachreiner, Franz Raab jun., Franz Raab sen., Michael Raab, Michael Schart, Johann Stocker, Rudolph Stocker und Franz Wagner.

Im §3 einer beschlossenen Satzung stand ganz einfach: "Der Verein hat die Aufgabe, in der Ortschaft Kothmaißling eine Kapelle zu bauen."

 

Die erste gewählte Vorstandschaft bestand aus:
1. Vorsitzender Peter Hofbauer
2. Vorsitzender Franz Raab
Kassier Alois Nachreiner
Schriftführer Klaus Hofbauer

 

Es dauerte fast zehn Jahre, bis der Grundstein gelegt werden konnte. Die damalige Gemeinde Windischbergerdorf stellte eine Fläche zur Verfügung, welche durch einen Grundstückstausch von Xaver Staudner erworben wurde. Seit der Ein gliederung der Gemeinde Windischbergerdorf zu Cham trägt die Stadt die Verantwortung für diesen Platz. Er liegt inmitten der Ortschaft und trug früher den Namen "Ochsenacker". Bedingt durch die zentrale Lage des Grundstückes ist die Kapelle auch räumlich Mittelpunkt des Dorfes geworden. Wirtshaus, Feuerwehrgerätehaus und Kapelle gehören in Kothmaißling zusammen und bilden gemeinsam ein wichtiges Kommunikationszentrum.

Größere Probleme galt es zu bewältigen, bis die baurechtliche Genehmigung möglich war; denn ursprünglich war anstelle der Fenster ein Lichtkranz geplant. Pfarrer Benedikt Rucker, Walter Dankerl, der als Planer tätig war, und die Verantwort lichen des Vereins mußten oft nach Regensburg zur Regierung der Oberpfalz fahren, um einen Entwurf zu erarbeiten, der allen Wünschen gerecht wurde. Es konnte aber dank der Mithilfe von Gerhard Weindl eine für alle Seiten zufriedenstellende Lösung gefunden werden, so daß die Kothmaißlinger durchaus voller Stolz auf ihren Ortsmittelpunkt blicken können.

 Parallel zu diesen Bemühungen wurden Spenden gesammelt.

Noch vor Baubeginn starb der 1. Vorsitzende des Vereins, Peter Hofbauer, dessen Aufgaben nach seinem Tod Klaus Hof bauer übernahm. Tief erschüttert stand man kurze Zeit später am offenen Grab des tödlich verunglückten Walter Dankerl. lhr Tod war noch mehr Ansporn, das Werk zu vollenden. Viele Bürger halfen zusammen. Franz Raab übernahm die technische Leitung. Alois Nachreiner sammelte Spenden und verhandelte mit Firmen. Klaus Hofbauer bemühte sich erfolgreich um die Zuschüsse bei verschiedenen Stellen.

Die Steine für die Außenmauern der Kapelle und des Turmes wurden unter erheblichem Kräfteaufwand am Hohen Bogen zusammengetragen und anschließend per Hand auf einen LKW verladen. Es waren fünf LKW-Fahrten nötig, um die gesammelten Steine vom Hohen Bogen zu ihrem Bestimmungsort in Kothmaißling zu transportieren. Dabei gilt ein großer Dank der Fa. Dankerl aus Selling, die in uneigennütziger Weise Mann und Maschine bereitstellte und auch sonst immer half, wenn Not am Mann war.

Die Arbeiten begannen im Frühjahr 1975, so daß die Grundsteinlegung im September erfolgen konnte. Im Frühjahr 1976 wurde der Bau fortgesetzt. Während der Winterzeit im Jahr 1975/76 wurde der Innenausbau bewerkstelligt. Im Frühjahr 1977 wurde der Bau vollendet und am 12. Juni 1977 von Weihbischof Karl Flügel mit einer feierlichen Messe, die vom Gesa-Club Windischbergerdorf musikalisch umrahmt wurde, eingeweiht. Zu diesem sowohl christlichen als auch weltlichen Höhepunkt in Kothmaißling wurde ein großartiger Blumenteppich vor der Kapelle gefertigt, auf dem eine weiße Taube als Symbol für den Heiligen Geist zu erkennen war.

Die Glocke, die in dem ursprünglich als Holzbau geplanten Turm hängt, stammt, ebenso wie die Heiligenfiguren, aus der alten Dorfkapelle. Diese wurde 1817 erbaut. Nach einem letzten Geläut montierten sieben Mann die Glocke ab und zogen sie noch am selben Tag an ihrem neuen Bestimmungsort auf, an welchem sie bis heute den Gläubigen zum Gebet läutet.

Etwa 4920 freiwillige Arbeitsstunden waren notwendig, um unsere Kapelle in ihrer jetzigen Form zu errichten. Dabei wurde die gesamte Vorarbeit bis zum Rohbau  in Eigenleistung erledigt. Die Maurerarbeiten wurden an eine Firma vergeben, da das Mauern mit Natursteinen eine Kunst ist, die nur noch von wenigen beherrscht wird. Aber selbst bei diesen Arbeiten konnten es die Kothmaißlinger nicht lassen, als Handlanger tätig zu werden. Wie den Aufzeichnungen des Schriftführers zu entnehmen ist, wurden sogar Kurgäste aus der nahe gelegenen Kurklinik in Windischbergerdorf zur Arbeit "verpflichtet" (Kurgast: 5 Arbeitsstunden).

Die Bürger der Ortschaft Kothmaißling spendeten die stolze Summe von 58.100,- DM Bargeld. Hinzu kommen die großzügigen Holzspenden von Bürgern aus den Ortschaften Kothmaißling Selling und Schlammering. Dies ist, gemessen an der damaligen Einwohnerzahl, ein beachtlicher finanzieller Einsatz. Die bischöfliche Finanzkammer gab aus Kirchensteuermitteln einen Zuschuß von 16.450,- DM, die Zuwendungen des Bay rischen Kultusministeriums betrugen 14.000,- DM. Die Jagdgenossen spendeten einen Betrag von 5.000,- DM, die Gemeinde Windischbergerdorf beteiligte sich, indem sie das wertvolle Kupferdach mit über 20.000,- DM bezahlte. An sonstigen Spenden gingen 11.500,- DM ein. Zusätzlich zu den reinen Geld- und Materialspenden wurden zahlreiche Brotzeiten für die freiwilligen Helfer von allen Seiten spendiert, so daß für das leibliche Wohl stets ausreichend gesorgt war.

Der Bau dieses Gotteshauses in Kothmaißling hat die Dorfgemeinschaft wesentlich gefestigt. Es ist gelungen, jeden Bürger für diese Maßnahme zu gewinnen, so daß es nicht das Bauwerk ein paar weniger wurde, sondern jeder von "unserer Kapelle" spricht.

Die Kothmaißlinger Kapelle gehört zu einer Reihe von Heilig-Geist Kapellen, die entlang der Grenze erbaut wurden. Auffallend - und dadurch etwas besonderes - ist die Gestaltung dieses kleinen Gebethauses. Angefangen von der zwölfeckigen, fast runden Form über die halbkreisförmige Anordnung der Sitzbänke um den aus dem schwarzen Hohen Bogen Stein gemauerten Altar, bis hin zu dem großen prachtvollem Mosaikfenster. Aber auch das kunstvolle Bayernwappen über der Eingangstür und das ewige Licht, in dem noch immer eine Kerze und kein elektrisches Lämpchen brennt, sollen nicht unerwähnt bleiben. Die rundliche Form wurde bewußt gewählt, um auch äußerlich ein Zeichen für die Gemeinschaft und den Zusammenhalt der Dorfbewohner zu setzen.

Dankbar und mit großem Zuspruch nehmen die Bürger das Angebot von Pater Joseph Kunniparampil an, einmal in der Woche miteinander Gottesdienst zu feiern. Aber auch Trauungen wurden und werden in der Kothmaißlinger Kapelle abgehalten. Es wurde nicht nur ein Bauwerk in Gemeinschaftsarbeit vollendet, sondern damit eine lebendige Gemeinde geschaffen.

Im Jahr 2016 wurde ein gemeinnütziger Kapellenförderverein gegründet.