Kothmaißling

 



Als im Jahre 1926 das anhaltende Regenwetter mit seinen monatelang dauernden Überschwemmungen die Landschaft im Chambtale in die bedrohlichste Notlage brachte, wurde der Ruf nach der Chambregulierung als erste und wichtigste Abhilfemaßnahme immer lauter. In einer von vielen hundert geschädigten Bauern aus dem Bezirk Cham besuchten öffentlichen Versammlung der Bezirksbauernkammer Cham, wurden die Elementarschäden erörtert, geschätzt und in einer Resolution festgelegt, welche auch höchster Stelle vorgelegt wurde. In dieser Niederschrift wurde neben anderem auch die beschleunigte Durchführung der Chambregulierung verlangt. Die Gemeindevertreter, der an die Chamb angrenzenden Gemeinden, stellten am 23. September 1926 an das Kulturbauamt Amberg einen Antrag zur Aufstellung eines Bauentwurfs für die Chambregulierung.
Die Chamb, ein rechtsseitiger Nebenfluß des Regen, entspringt in der Tschechoslowakei. Von ihren Quellen bis zum Eintritt in das deutsche Bundesgebiet hat ihr Lauf eine Länge von ca. 10 km, von hier bis zur Mündung eine solche von ca. 40 km. Im allgemeinen verläuft das Einzugsgebiet in der Richtung von Ost nach West. Die Täler werden vorwiegend als Wiesen und Weiden bewirtschaftet, während die ansteigenden Talhänge Ackerlagen und Waldbestand aufweisen.
Das Talgebiet der Regulierungsstrecke ist im unteren Teil 800 - 1000 m, im oberen Teil 800 - 1500 m breit. Die engste Stelle liegt bei Kothmaißling mit 250 m Talbreite. Das Talgefälle beträgt im Durchschnitt ca. 0,9 %.

Die in das Unternehmen einbezogenen Grundstücke werden durchwegs als Wiesen benützt. Nur die an den Talrändern gelegenen Wiesen zeigten an und für sich guten Futterbestand, sie hatten aber immer unter den Überschwemmungen zu leiden. Der größte Teil der Wiesengrundstücke war aber gänzlich versauert, außerdem den ständigen Überschwemmungen ausgesetzt, so dass sie sehr stark verfilzt und vermoost waren. Die Wiesen zwischen Altenstadt und Kothmaißling zählen zu den schlechtesten des Chambtales und konnten nur zu Streuzwecken verwendet werden. Die Chambufer lagen höher als die darunterliegenden Wiesen. Bei dem häufig vorkommendem Hochwässer der Chamb sammelte sich das austretende Wasser in den zahlreichen, sehr weiten Mulden und konnte nicht mehr ablaufen. In niederschlagsreichen Jahren lag daher die Vegetationsdecke ständig unter Wasser, eine Bewirtschaftung des Bodens war unmöglich. Nicht viel besser waren die Wiesenflächen im oberen Teile, zwischen Kothmaißling und Neumühlen. Sie wurden als Streuwiese oder einmähdige Wiesen benützt. Auch hier lag die Ursache der Versumpfung in dem zu hohen Grundwasserstand und in den ständigen, lang andauernden Überschwemmungen.

Der Chambfluss selbst durchzog das ganze Tal in zahlreichen, scharfen Windungen, die Fußquerschnitte waren für den Hochwasserabfluss meist ungenügend. Ungünstig war der ständige Wechsel der Flussbreite zwischen 10 und 25 m. Diese Unregelmäßigkeiten verursachten Ablagerungen im Flussschlauch. Sehr nachteilig für die gesamte Fläche wirkte sich der Rückstau der beiden Triebwerke in Altenstadt und Kothmaißling aus, deren Stauspiegel zum Teil höher als die Talmulde lag. Der Hochwasserabfuss wurde außerdem noch dadurch stark beeinträchtigt, dass bei den Triebwerken ganz unzureichende Entlastungsvorrichtungen vorhanden waren.
Durch die hohe Stauspiegellage war aber auch den Nebenbächen und jeder Seitenentwässerung die Vorflut genommen.

Die vorhandenen Wirtschaftswegbrücken befanden sich in schlechtem Bauzustand und waren für die Hochwasserabfuhr ungeeignet.
Fast jährlich traten im Chambtale infolge der geschilderten Missstände ausgedehnte Überschwemmungen auf, von welchen immer nahezu das gesamte Talgebiet be­troffen war. Der Anlauf der Hochwasserwelle erfolgte in der Regel schon in 18-20 Stunden nach Eintritt der Regenfälle, der Ablauf der Überschwemmungen währte einige Tage und trat meist noch mit der ankommenden Hochwasserwelle des Re­gens zusammen.

Die Folge der Überschwemmungen waren sehr weitgehende. Wenn überhaupt infolge der stauenden Nässe gedüngt wurde, so war zu befürchten, dass der Dünger weggeschwemmt und dadurch dessen Wirkung vereitelt wurde. Im Sommer wurde bald die Neuernte, bald die Grummeternte mehr oder weniger vernichtet bzw. für die Ernährung der landwirtschaftlichen Nutztiere unbrauchbar. Da aber zur Aufrechter­haltung des Viehbestandes ein großer Teil der Landwirte mangels anderer Wiesen auf die Verfütterung dieses verschmutzten Futters im Chambtal angewiesen war, bestand die ständige große Gefahr einer Leberegelseuche, welche schon öfters, besonders aber in den Nassjahren 1926/27 in dieser Gegend stark gehaust hatte. Wel­chen Schaden niederschlagreiche Jahre verursachen konnten, erhellte die Tatsa­che, dass ein einziges größeres Hochwasser zur Heuernte etwa 1800 Tagwerk Wie­sen in diesem Abschnitt überschwemmte, wobei die Ernte zu 80 % vernichtet oder zum Verfüttern unbrauchbar war.

Das Unternehmen war ein Teil der Instandsetzung der Chamb zwischen Altenstadt und Furth i. Wald. Es umfasst das Gebiet zwischen Neumühlen und der Mündung und bezweckte vor allem den Schutz der Talwiesen vor Überschwemmung bei Sommer­hochwasser, ferner die Entwässerung der Talgründe.

Zur Beseitigung der Missstände wurden von Wasser‑ und Bodenverband Chamb 1 in der Zeit von 1937 bis 1952 nachstehende Maßnahmen ausgeführt, die einer wasser­rechtlichen Behandlung bedürfen:

1) Regulierung der Chamb von der Mündung bis Neumühlen

2) Anpassung und Ausbau folgender Seitenbäche

a) Windischbergerdorfer Bach 
b) Pinzinger Bach (Bürzelbach)
c) Rettenhofer Bach
d) Zölzer Bach
e) Riedinger Bach

3) Ablösung und Beseitigung von 3 Triebwerken (Altenstadt, Kothmaißling, 
Weiding).

4) Anlegen von 27 Entwässerungsgraben.

 

Zur Verbesserung der Abflussverhältnisse war die Beseitigung der folgenden Triebwerke erforderlich:

 1) Stau und Triebwerksanlage Raab in Altenstadt

Die von einer 40 PS Turbine erzeugte elektrische Energie diente zum Betrieb einer Holzwollefabrik. Die Stau- und Triebwerksanlagen wurde 1937 beseitigt.

2) Stau- und Triebwerksanlagen Hastreiter in Kothmaißling:

Mit der Wasserkraft wurde eine Mühle und eine Säge  betrieben. Die Stau- und Triebwerksanlage wurde 1938 beseitigt.

3) Triebwerk Johann Bertl in Weiding:

Die Wasserkraft diente zum Betrieb eines Sägewerks. Das Triebwerk wurde 1937 abgelöst und die Wasserkraft stillgelegt.

 

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